Klasse.

“Römische Dekadenz, wie?”

“Ja, warum nicht. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich zuletzt schwimmen war.”

Dabei mag ich Schwimmbäder.

Na gut, das heute war kein Schwimmbad, sondern eine waschechte Therme. Mit Heilwasser. Schön war es trotzdem.

“Mal sehen, ob wir nicht die jüngsten sind.” sagt mein besorgter junger Mann.

Sind wir nicht, auch nicht die ältesten. Die Besucher geben sich überhaupt nicht für Klugscheißerstatistiken her und das ist auch gut so.
Nun ja: Außer uns. Wir sind die einzigen ohne Badelatschen und Bademäntel. Totale Anfänger halt. Dafür sind meine Zehennägel perfekt lackiert, seit dem letzten Schwimmbadaufenthalt habe ich mich halt geändert. Ich glaube aber, dass das völlig umsonst war und allen egal ist. Die Welt interessiert sich heute nämlich gar nicht für mich.

Wie geil ist das denn.

Also schwimmen, von vielen Wasserstrudeln massieren lassen und abhängen, vom Außenschwimmbeckenrandlauf. Auf Liegestühlen eindösen, das Schwimmbeckenprogramm wiederholen, es sind ihrer drei. Schwimmbecken. Und überhaupt nicht überlaufen, die müden Weihnachtsshopper kommen wohl später.

Klasse.

Irgendwann werfe ich meine Bikinihose in den Müll, sie ist zu groß und rutscht zu schnell runter. Zum Glück hatte ich die Reserve dabei.

Ein wenig später bereuen wir die zu Hause hängenden Bademäntel noch mehr: Damit könnten wir ins Bistro nebenan. Wir haben Hunger. Also nochmals die 3 Schwimmbecken, raus, dann Dusche, Fön, Restaurant. Salat. Die Zwiebelringe lasse ich liegen und klaue Pommes bei meinem Schatz, um das Essig aus der Bahn zu werfen. Dann Kaffee.

Zu Hause fische ich meine letzte Einsendearbeit aus dem Briefkasten. Also schon korrigiert.

“Willst du nicht reinschauen?”

“Nö. Nach den Feiertagen. Heute habe ich keine Lust auf Überheblichkeit. Schon gar nicht auf unleserliche.”

Weil das ja klar ist. Als Kaufkraft ist man geschätzt, auch frau, sogar ausländisch. Sobald man aber irgendwas in Anspruch nimmt, wenn auch berechtigterweise, ist das mit der Schätzung so eine Sache. Und bei einer Ausländerin? Ist halt so eine Sache. Man soll ja heutzutage bekanntlich dankbar sein, in Deutschland leben zu können, und gar nicht so tun.

Dabei ist die Zahl der Einheimischen, die davon ausgehen, dass ich automatisch über sie herziehe, riesig. Zu groß. “Du hast ein Blog? Kannst dich dann in deiner Muttersprache so richtig auslassen, wie?”

Nö. Ich hab’s nicht so mit Zwangslästern. Lästerzwang. Ich lese halt Bücher und beobachte Menschen. Konzentriere mich auf das Wesentliche im Allgemeinen. Die Nationalität ist mir dabei schnuppe. Sorry. 

7as


Comments are disabled.

%d bloggers like this: